2012

Im Jahr 2012 beginnt vor Ort die von uns seit Jahren geforderte Auseinandersetzung mit der Militärgeschichte. Derweilen gibt es nach den ersten beiden Phasen (KdF-Bauphase und Nachkriegszeit = Phase 1 und Militärzeit = Phase 2) bereits eine zu bearbeitende Phase 3: Die Jahre bis zur Privatisierung der Anlage durch den Bund (1992-2004) und die zeitgleich mit der Privatisierung stattfindende Auseinandersetzung um die Akzeptanz der „doppelten Vergangenheit“ des Ortes (2006-2011). Ein Kampf, der von keiner Institution unterstützt – und wie zu sehen ist – nur bedingt erfolgreich geführt werden konnte. Eine vierte Phase gehört der Zukunft. Wird man der „doppelten Vergangenheit“ gerecht? 
 

18. März 2012
Endlich: Prora-Zentrum hat den einstigen Militärstandort als notwendiges Thema der Aufarbeitung entdeckt. Dafür lässt die Stiftung Aufarbeitung SED-Diktatur 30.000 Euro fließen. Bereits 2009 hatten Stiftung und Land signalisiert, dass Prora-Zentrum der Favorit für die Bildungsarbeit vor Ort sei. Damals flossen hinter dem Rücken von Denk-MAL-Prora, der damals die alleinige Aufklärungsarbeit zur DDR-Geschichte betrieb, 130.000 Euro Förderung aus EU-Mitteln; ein halbes Jahr später fiel dann die undemokratische Entscheidung über den Bildungsträger. 

In all den Jahren tilgte Prora-Zentrum über dessen Vorsitzende Kerstin Kassner die Spuren der Geschichte – ohne Dokumentationen. Dass dieser Verein Zeitzeugen, die sich für die Bildung einsetzten, jahrelang mit Missachtung abstrafte, spielt bis heute keine Rolle. Unser Kampf hat aber insofern gefruchtet, als  unsere Idee von Audio- und Videostationen nun angeschoben werden soll. Schauen wir, was tatsächlich daraus wird. Das neue Projekt vom Prora-Zentrum wurde kürzlich auf der Geschichtsmesse vorgestellt (unsere Ansichten sind darin unschwer erkennbar) –Lesebuch Seite 46. (bitte scrollen). Was wir gesät haben, ernten andere.

5. April 2012
Prora-Zentrum gibt den
Veranstaltungsplan für 2012 mit Ausstellungen und Vorträgen auch zur DDR- Geschichte bekannt. Vertreter von Denk-MAL-Prora, die diese Entwicklung angestoßen haben, sind nicht eingeplant. Auch die Bücher der Zeitzeugen spielen bei den Lesungen vor Ort keine Rolle. Im Anschreiben hervorgehoben wird die Veranstaltung mit Karl Schneider, der am 19.06. seine Studie über die Bremer Polizeibataillone in der NS-Zeit vorstellt (s.u.) sowie ein Vortrag über den Hafenbau in Mukran.

10. April 2012
Dr. Wagner (Politische Memoriale e.V.) würdigt die Verdienste des Denk-MAL-Prora um die „doppelte Vergangenheit“, was lediglich Eingang  in die
gedruckte Lokalausgabe Rügen findet. Praktisch geschieht wenig oder nichts. Überregional verankern die Medien seit Jahren das KdF-Bad im Bewusstsein (vgl. das Buch „Asche aufs Haupt“)!

30. April 2012
Der Pachtwechsel im ehemaligen „Versorger Mukran“ ist vollzogen. Die an Prora-Zentrum und Politische Memoriale e.V. herangetragene
Bitte, die neuen Pächter für die Geschichte zu sensibilisieren wurde offensichtlich ignoriert. Aus dem geplanten Erinnerungsort zur DDR-Geschichte wurde die Erlebnisgastronomie Zur anderen Welt. DDR-Ausstattungsstücke wanderten in die Container.

27. Juni 2012
Die
Springerpresse verankert mithilfe des Prora-Zentrum e.V. (s.o.)  das KdF-Bad Prora im Bewusstsein. Für eine Rezension der „Geheimen Aufzeichnungen“ (Uwe Rühle) sehen u.a. die Welt und auch die Schweriner Volkszeitung, FAZ, TAZ, Leipziger Volkszeitung und Chrismon keine Möglichkeit (um nur einige Beispiele zu nennen).

4. Juli 2012
dpa nimmt Kritikern an der Entwicklung des Erinnerungsortes Prora
Wind aus den Angeln

20. Juli 2012
Prora-Zentrum veranstaltet einen Aktionstag zur Geschichte des Geländes, wobei (bis auf ein einstündiges Gespräch zum Militärstandort Prora) die Thematik „Großbauten im Nationalsozialismus“ (mehrfaches Abspulen des Filmes „Die Urlaubsmaschine“) im Vordergrund zu stehen scheint.

24. Juli 2012
Wolfgang Klietz ist von Prora-Zentrum geladen, das neueste Buch über den Hafenbau in Mukran vorzustellen. Obgleich Denk-MAL-Prora zahlreiche Materialien über den Hafenbau archiviert hat, trat der Verfasser mit uns nicht in Kontakt. Wissenschaftliches Arbeiten haben wir anders gelernt.

13. August 2012
Neuerscheinung des Buches
トAsche aufs Haupt!モ mit einer Gesamtanalyse der Situation rund um Prora. Wie der Umgang mit den Bemühungen des Denk-MAL-Prora zeigt, ist die Erinnerung an die NVA als Herrschaftsinstrument des SED-Regimes, impliziert ein Gedenken an die Opfer der Militarisierung, in Wahrheit nach wie vor unerwünscht. Ein Emotionen weckendes Bildungszentrum scheint in breiten Kreisen der Tourismusindustrie und damit seitens der Politik (dessen Ableger Prora-Zentrum ist) gefürchtet zu sein. Vermutlich deshalb richtete sich die Medienkampagne zur Eröffnung der Herberge auch eindeutig gegen die Zeitzeugen – mit massiven Manipulationen in der Berichterstattung. Man vergleiche nur den Beitrag einer Autorin in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (siehe drittletzter Absatz) mit der Ostsee-Zeitung. In der OZ wurde dieser Satz herausgekürzt: „Einige der ehemaligen Bausoldaten haben am Montag gefordert in der Jugendherberge eine Dokumentation über die DDR-Zeit einzurichten.“

Das
Schlusswort des Buches nimmt explizit auf das Bildungszentrum Bezug und kündigt das Ende der Initiative Denk-MAL-Prora noch in diesem Jahr an.

Im Sinne des erwähnten Karussells verweist uns der Direktor der Landezentrale für politische Bildung
mit der Bitte, in der JH Prora pro Quartal eine in diesen Tagen Lesung mit Zeitzeugen zu veranstalten, an den Herbergsvater. Jedoch: Bereits an den geforderten kostenlosen Flyern zur Geschichte des Hauses hatte der Herbergsvater kein Interesse geäußert. Und bei den fast täglichen Einträgen in Facebook weckt er an keiner Stelle Neugier für die besondere Geschichte des Ortes. Bei schlechtem Wetter verweist er auf Museen in Stralsund, nicht etwa auf die Ausstellung „Briefe von der waffenlosen Front“ gleich nebenan.

20. August 2012
Es stellt sich heraus, dass einer der maßgeblichen Initiatoren des Jugendevents „Prora 03“, in dessen Vorfeld das DDR-Gelände geschichtsbereinigt und einseitig zum NS-Gelände erklärt wurde, der frühere
Leiter des Diakonischen Werkes in Greifswald gewesen ist. Vgl. den Beitrag der OZ. Kuessner war zum damaligen Zeitpunkt Landtagspräsident sowie Vorsitzender des Landestourismusverbandes, seine Stellvertreterin war die spätere  Rügener Landrätin Kerstin Kassner, unter der das Werk der Umdeutung des Geländes fortgesetzt wurde.

23. August 2012
Lesung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

30. August 2012
Die Wahrnehmung des Ortes Prora wird seit zwei Jahrzehnten politisch und medial diktiert. Die
historischen Rundgänge und Aktionstage des Prora-Zentrum e.V. sind von dieser einseitigen Sichtweise auf den Ort geprägt. Hier die Vorschläge, wie es besser zu machen ist.

Eine Standortanalyse untersucht das Potenzial des Ortes Prora, der offenbar noch immer einseitig als „KdF-Bad“ wahrgenommen wird. Von der Fehlbeurteilung des Ortes aufgrund eines zwei Jahrzehnte währenden Diktats der Wahrnehmung durch Politik und Medien verwundert das nicht. Ein Zeugnis der erfolgreichen Gehirnwäsche hinsichtlich der Deutung des Ortes als  KdF-Bau:

http://www.dooyoo.de/jugendherbergen-national/jugendherberge-prora/1508791/#rev

9.9.2012
Besuch beim Bundespräsidenten

13. Oktober 2012
Der Gründer der IG Wehr- und Waffendienstverweigerung versendet ein bereits im August vorliegendes
Schreiben an die Interessengemeinschaft.

16. 10. 2012
„Kaputt gelacht“ im Virtuellen Museum

November 2012
Stefan Wolter ist „Retter des Monats“ im Chrismon. Allerdings wünschte er sich eine Rezension des Buches „Geheime Aufzeichnungen eines Bausoldaten“ bzw. eine umfänglichere Darstellung der Problematik vor Ort. Das Kurzinterview wurde lediglich in der Abonnement-Ausgabe abgedruckt und nicht in der Zeitungsbeilage der großen Zeitungen, die wiederholt über das „KdF-Bad“ Prora berichteten bzw. diesbezügliche dpa-Meldungen übernehmen.

12. November 2012
Schreiben an den Bundespräsidenten sowie an Vertreter aus Politik, Medien und Kirche bezüglich des Erinnerungs- und Bildungsortes Prora auf Rügen

Abschlusserklärung der Initiative Denk-MAL-Prora

14. November 2012
Bündnis 90/Die Grünen (Johann-Georg Jaeger) stellen auf Antrag von Denk-MAL-Prora eine
Kleine Anfrage an die Landesregierung. Doch unsere formulierten Fragen bezüglich des Umgangs der Politik mit der Initiative Denk-MAL-Prora werden ebenso wenig berücksichtigt wie die Frage nach dem Verbleib der Gelder, die bereits 2009 für die Aufarbeitung der DDR-Geschichte an Prora-Zentrum geflossen sind. Abermals besteht die Vermutung, andere (in diesem Falle Herr Jaeger) wollen sich auf Kosten Denk-MAL-Prora profilieren. Dazu ein letztes Schreiben der „Initiative“.

17. November 2012
Bekanntgabe der Gründung des Fördervereins Proraer Bausoldaten. Auf das Angebot, die bestehende Schriftenreihe Denk-MAL-Prora als künftiges Publikationsorgan zu verwenden, wurde nicht ein- gegangen; Dr. Stefan Wolter, der zugunsten der neuen Entwicklungen Denk-MAL-Prora als „Initiative“ aufgab und sich vorab demonstrativ hinter den neuen Verein stellte (vgl. 13. Oktober 2012), wurde als mögliches Vereinsmitglied nicht angefragt. Vgl.
Bausoldaten wollen sich in Erinnerungsarbeit einbringen

28. November 2012                        
Stefan Wolter wird als Interviewpartner aus dem Projekt des RBB – „Geheimnisvolle Orte – Prora“ gestrichen, das angeblich durch das Buch „Geheime Aufzeichnungen eines Bausoldaten“ mitinitiiert worden war. Das  führt zu der Erkenntnis, dass aufgrund der jahrelangen aufreibenden Bemühungen zwar inzwischen an die Proraer Bausoldaten erinnert wird, dass aber die Vorgänge, wie die Geschichte dorthin zurückgetragen wurde, - das Thema „Erinnerungskultur“ - nicht interessiert; die Zeit für dieses Thema noch nicht reif ist. Denk-MAL-Prora hat gesaet, andere ernten.

Fazit nach einem mehr als fünf Jahre währenden Kampf:
Denk-MAL-Prora
hatte sich gegründet, um an einem authentischen Ort ein Bildungszentrum mit Herz und Sachverstand aufzubauen. Ehrenamtlich hätten wir längst das geleistet, wofür tausende Euro an einen Verein flossen, der erkennbar wenig im Sinne der Zeitzeugen geleistet hat. Der ehemalige Klubraum mit der an die Wand gemalten Rügenkarte, dessen Geschichte inzwischen
vollst¦ndig erforscht ist, dümpelt noch immer vor sich hin. Anstatt ihn, wie geplant, in den Jugendherbergsbau einzubeziehen, hat man den Raum (wie die gesamte Geschichte) ausgegliedert. Und aus unserer Idee eines Bildungszentrums wurde ein „Ort der Information“ neben der Jugendherberge. Uns hat man derweilen verdrängt und lahmgelegt. 
                                                        
Asche aufs Haupt!

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