März 2011

Version März 2011

„Historischer Bezug: 
Prora, heute ein Ortsteil von Binz auf Rügen, ist ein vielschichtiger Erinnerungsort. Die Nationalsozialisten planten hier ein Seebad für 20.000 Urlauber, das aber niemals in Betrieb genommen wurde. Während der DDR-Zeit wurde Prora zu einer riesigen Kasernenanlage ausgebaut, bezeugt damit auch die Rolle und Funktion des Militärs im SED-Staat.
1935 begannen die Planungsabreiten für den ca. fünf Kilometer langen Gebäuderiegel an der Prorer
Wiek. Die Gesamtanlage basiert auf den international preisgekrönten Entwurf der Architekten Clemens Klotz und Erich zu Putlitz. Nach der Grundsteinlegung am 2. Mai 1936 begannen 1938 die Bauarbeiten, die mit Kriegsbeginn eingestellt wurden. Man nutzte den Rohbau während des Krieges als Ausbildungsstätte für ein Reservepolizeibataillon und Marine-Nachrichtenhelferinnen. Prora gehört zu den größten baulichen Hinterlassenschaften der NS-Zeit. Seit 1951 gestalteten Angehörige der Kasernierten Volkspolizei Prora zu einem der größten Kasernenstandorte in der DDR um. Bis in die 1970er Jahre waren in Prora unterschiedliche NVA-Heereskampftruppen stationiert, zeitweilig zählte das militärische Personal bis zu 15.000 Menschen. Später ersetzten unterschiedliche Ausbildungseinheiten die Kampftruppen. In den 1980er Jahren kamen Bausoldaten in den Block 5, die zum Bau des Fährhafens Mukran eingesetzt wurden. Die DDR-Führung betrachtete Waffendienstverweigerung grundsätzlich als politische Gegnerschaft. Deshalb wurden die Bausoldaten geheimdienstlich überwacht, diszipliniert und schikaniert. Damit ist Prora auch ein Erinnerungsort für Opposition und Widerstand in der DDR.

Geschichte des Erinnerns:             
Nach dem Abzug der Bundeswehr 1991 blieb der weitere Umgang mit dem Gebäudeensemble ungeklärt. Pläne, die gesamte Anlage unter Beachtung der historischen Bedeutung des Ortes zu entwickeln, ließen sich nicht realisieren. Seit 2004 veräußerte der Bund die einzelnen Blöcke an private Investoren. Die Auseinandersetzungen um den Erinnerungsort bezogen sich lange Zeit auf die Bedeutung Proras in der NS-Zeit, die DDR-Militärgeschichte war Gegenstand zumeist verklärender Ausstellungsprojekte. Ehemalige Bausoldaten im 2008 gegründete Verein Denk-Mal Prora mahnten die Erinnerung an die Bausoldaten als Bestandteil einer kritischen Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte an. Die Diskussion um die Bewahrung von Überresten aus der Bausoldatenstationierung veränderte die Wahrnehmung des Ortes, von einem NS-Erinnerungsort zu einem Ort mit „doppelter Vergangenheit“.

Pädagogische Angebote:            
Zwei Einrichtungen verfolgen eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit der Geschichte Proras. Die Stiftung Neue Kultur unterhält das Dokumentationszentrum Prora im Block 3 mit der Ausstellung MACHTUrlaub und verschiedenen pädagogischen Angeboten. Prora Zentrum e. V. hat seinen Standort im Block 5 mit provisorischen Ausstellungs- und Workshopräumen, arbeitet vor allem mit Sonderausstellungen zur NS- und DDR-Geschichte. Beide Einrichtungen stellen Angebote zur historisch-politischen Bildung bereit. Nach einem Interessenbekundungsverfahren beauftragte das Land 2010 Prora Zentrum e. V. mit dem Aufbau einer Bildungsstätte bei der Jugendherberge im Block 5.

 

Literatur:
Rostock, Jürgen/ Zadnićek, Franz, Paradiesruinen. Das KdF-Seebad der Zwanzigtausend auf Rügen, Berlin 1992. (8. Auflage 2008)

Wernicke, Joachim/ Schwartz, Uwe, Der Koloss von Prora auf Rügen, Königstein i. Ts. 2003.

Wolter, Stefan, Hinterm Horizont allein - der "Prinz" von Prora. Erfahrungen eines NVA-Bausoldaten, Halle 2005 (2. Auflage).

Wenzke, Rüdiger, Die Bedeutung des Militärstandortes Prora für die Auseinandersetzung mit der DDR- Geschichte, in: Zeitgeschichte regional 2010, Heft 1, S. 73-78.

Der Film "Urlaubsmaschine" von Steffen Schneider ist über Prora Zentrum e. V. zu beziehen.“

Quelle:         
http://www.polmem-mv.de/index.php?option=com_content&task=view&id=59&Itemid=0

 

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